LEXIKON DES
ERSTEN WELTKRIEGES
Moltke, Generaloberst Helmuth von
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Generaloberst Helmuth v. Moltke

Generaloberst Helmuth von Moltke.
 

Helmuth von Moltke wurde am 25.05.1848 auf dem Rittergut Gersdorf in Mecklenburg geboren. Er war Neffe des Helmuth von Moltke (* 26.10.1800 gest. 24.02.1891) der 1857 Chef des Generalstabes wurde und niemals geschlagen, einer der erfolgreichsten Feldherren der Weltgeschichte war.

1870 nahm er, gerade Offizier geworden, am Feldzug gegen Frankreich teil. Früh kam er in den Generalstab und wurde seinem Onkel als persönlicher Adjutant zugeteilt. Nach dessen Tode wurde er diensttuender Flügeladjudant Kaiser Wilhems II. 1896 übernahm er als Kommadant das 1. Garderegiment. 1899 wurde er Brigade-Kommandeur und 1902 folgte seine Ernennung zum Divisions-Kommandeur. 1904 wurde er als General-Quartiermeister in den großen Generalstab versetzt und 1906 als Nachfolger Schlieffens gegen seinen Willen Chef des Generalstabes und General der Infanterie.

Auf Antrieb Ludendorffs strebte er 1912 eine bedeutende Verstärkung der Armee an und passte den durch die Nichtachtung der Belgischen Neutralität politisch brisanten Schlieffenplan, der die Grundlage des dt. Operationsplanes im Spannungsfall bildete, den sich permanent verändernden Stärke- und Reaktionszeiten der potentiellen Gegnerstaaten an. Um einer franz. Offensive gegen Elsaß und Lothringen vorzubeugen, stärkte er den linken dt. Flügel und schwächte dadurch aber die Schlagkraft des rechten Umgehungsflügels, von dem Schlieffen noch auf dem Totenbett gesagt haben soll: "Macht mir den rechten Flügel stark".

Moltke war 1914 bei Kriegsausbruch gesundheitlich labil und während des Aufmarsches der dt. Armeen bekam sein Vertrauen in den obersten Kriegsherren Kaiser Wilhelm II einen schweren Schaden. Als dieser durch eine Fehlinformation kurzzeitig glaubte, nicht gegen England und Frankreich vorgehen zu müssen, sondern nur Rußland als Gegner zu haben, ließ der Kaiser sein mangelndes Verständnis für die Führung von Millionenheeren erkennen. In Hochstimmung befahl er Moltke, er solle die Armeen im westlichen Aufmarschgebiet anhalten und per Bahn sofort an die Ostfront zu verlegen. Auf die Erwiederung Moltkes, daß ein Millionenheer nicht einfach eingeladen und mit der Bahn woandershin gefahren werden konnte, da hierbei ein völliges Durcheinander entstehen würde und die Versorgung der Truppen im Felde nicht gewährleistet sei, entgegnete Wilhelm II., daß sein Onkel ihm eine andere Antwort gegeben haben würde und fixierte den Befehl schriftlich. Moltke verzögerte die Weitergabe des Befehls bis abends das Mißverständnis geklärt war und der ursprüngliche Aufmarschplan wieder in Kraft gesetzt wurde.

Wie von Moltke befürchtet, stellte sich die Führung von so großen Streitkräften, wie sie bereits zu Beginn des Ersten Weltkrieges in die Schlacht geworfen wurden, aufgrund der ungenügenden nachrichtentechnischen Verbindungen, als enorm erschwert dar.

So kam es dazu, obwohl das Hauptquartier immer wieder der sich verlagernden Front folgte, daß Einheiten wichtige Beobachtungen nicht weitermelden konnten und umgekehrt die höheren Stäbe sich oft auserstande sahen wichtige Nachrichten umgehend an die Truppe zu leiten. Die erfasste Lage im Generalstab hatte nur selten etwas mit der aktuellen Lage an der Front zu tun. So lastete die Einschätzung z. B. der Lage während der ersten Marneschlacht auf den Schultern des Oberstleutnant Hentsch, der mehrere Tage mit dem Automobil benötigte, um die Stäbe der einzelnen Armeen zu besuchen und sich ein Bild der Situation im Kampfraum zu verschaffen.

Nach dem Abbruch der Marneschlacht 09.09.1914, ausgelöst durch seinen Bevollmächtigten, dem Oberstleutnant Hentsch, wurde Moltke durch den preußischen Kriegsminister von Falkenhayn am 14.09.1914 abgelöst, welcher dann am 03.11.1914 auch formell zu Moltkes Nachfolger als Generalstabschef ernannt wurde.

Moltke übernahm am 30.12.1914 das Amt des Chefs des stellvertretenden Generalstabes in Berlin und bemühte sich hier insbesondere um die Sicherung der dt. Ernährungswirtschaft. Nachdrücklich trat Moltke bereits 1915 beim Kaiser für die Ablösung Falkenhayns durch Hindenburg ein.

Helmuth von Moltke starb an den Folgen einer Krankheit am 18.06.1916 in Berlin.
 



 
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