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LOGISTIK - AUSSTATTUNG der RESERVE REGIMENTER
Abgesandt von TYPXXI am 21.03.2015 - 15:31:

Hallo zusammen,

mein Uropa wurde im August im Landsturm Bataillon Lingen mobil gemacht, nach Osnabrück verlegt.

Drill und Exerzieren waren nicht so sehr das Thema, denn er schrieb von langen Spaziergängen und Konzerten am Neumarkt.

Von da aus kam er via Aschendorf nach Hannover in LIR 73 bzw. RIR 73. Seine Frau fragte, ob er noch den Landsturm Anzug trage. Er antwortet, er habe in Hannover zunächst getragene, aber noch sehr gut erhaltene Kleider (feldgrau) erhalten, 2 Wochen später die neue KRIEGSGARNITUR.

Er berichtete auch zwischendurch von anderen Einheiten, die erst ausgestattet und dann an die belgische Front entsandt wurden.

Meine Frage:

Gab es so eine Art Zentral Logistik, dass alle formierten Reserveeinheiten in einem Ort der Region wie hier Hannover ausgestattet wurden?

Er erwähnt die Qualität der (Unter)Wäsche extra, dass seine private sozusagen nicht so gut gewesen sei wie die erhaltene, spricht aber dabei von der zuerst erhaltenen, bereits getragenen Wäsche.

DENNOCH:
Übel war wohl später die fehlende Ausbildung und Bedeutung von MG`s für die Verteidigung eroberter Stellungen, die sie selber als Reserve ebensowenig bekommen haben wie Feldartillerie, weil ihnen MG und Feldartillerie in ihrer geplanten Verwendung als Besatzungstruppe kaum etwas gebracht hätte.

Das drohende Scheitern der 1. Flandernschlacht beendete ihr Leben als Besatzer von Brüssel, Gent und Brügge, denn schwups waren die alten Herren in der vorderster Kampflinie und das ohne MG und Feldartillerie... was immense Verluste zur Folge hatte und auch ihn sein Leben kostete.

Wer weiß also etwas über die Logstik / Procedere der Ausrüstung der Reserve Regimenter mit "Kriegsgarnitur", wie er schrieb?

WOLF

Antwort von Ruhrpottpreuße am 21.03.2015 - 16:25
Hallo Wolf!
Zuständig waren die Bekleidungsämter. Diese haben natürlich die aktiven Einheiten zuerst ausgerüstet.
Sehr gut beschrieben ist dieses Problem im Buch "Langemarck" von Karl Unruh.
Zitat:"Res.Inf.Rgt.209: Einkleidung und Ausrüstung waren mangelhaft, mit leichten Zivilstiefeln, das Koppel über dem Zivilrock, hat so mancher Exerdienst geübt. Gewehre haben noch lange gefehlt. Bis in die ersten Oktobertage fehlte es an Helmen, Tornistern, Schanzzeug."
Das Buch gibt es für ein paar Euro.
Gruß, Andreas

Antwort von TYPXXI am 21.03.2015 - 16:29
Andreas,

Danke für die Info, aber in Hannover war das zumindest anders, denn er beklagte sich darüber nicht mit einem Wort, war eher des Lobes auch bzgl. "Bürgerquartier", was ich mir erst gar nicht vorstellen konnte, aber wohl private Unterbringung meint bei Familien, deren Väter schon an der Front waren, wodurch die Familien wohl eine "Logis" Prämie erhielten.

Handelt "Langemarck" vom Kampf um den besagten Ort in Flandern oder ist das anders zu verstehen?

WOLF

Antwort von Ruhrpottpreuße am 21.03.2015 - 16:38
Richtig. Untertitel ist "Legende und Wirklichkeit"
Es behandelt die Gefechte im Oktober 1914 in Langemarck. Besonders werden die Reserve-Regimenter behandelt.

Antwort von TYPXXI am 31.03.2015 - 21:15
Hallo Andreas,

ich bin ein wenig weiter und habe eine Frage, da Du das besagte Buch zu haben scheinst.

Ist das XXVI. RK mit deren Reserven 37. + 38 Landwehr Ersatz Infanterie Brigade und dem 73. LIR dort angeführt?

Ich habe zwischenzeitlich das PDF zum "grünen Korps" in Flandern 1914 bekommen, woraus die Formationsaufstellung bis auf Bataillonsebene am 27.10.1914 ersichtlich ist, da dort Frontabschnitte mit geografischen Marken beschrieben und Regiments Einheiten und deren Wanken etc. erwähnt worden sind.

Danke

WOLF

Antwort von Ruhrpottpreuße am 01.04.2015 - 04:24
Hallo Wolf!
Das XXVI.RK ist aufgeführt. Die Gliederung sagt:

51.Res.Div. (RIR 233-236), Res.Jg.Btl.23, Res.Feldart.Rgt.51

52.Res.Div. (RIR 237-240), Res.Jg.Btl.24, Res.Feld.Art.Rgt.52.

Bei Deine n Zahlen 37 und 38 dürfte es sich wohl um die Landwehr-Brigaden handeln, oder?
Das LIR73 unterstand ja der 37.Ldw.Brig. Diese war 1914 noch selbständig und kam dann ab 1915 zur 5.Ers.Div.
Gruß, Andreas

Antwort von TYPXXI am 01.04.2015 - 10:55
Hallo Andreas,

DANKE erst einmal von hier. Zu Deiner Frage.
"Bei Deinen Zahlen 37 und 38 dürfte es sich wohl um die Landwehr-Brigaden handeln, oder?"

Ja, ich schrieb ja "37. + 38. Landwehr Ersatz Infanterie Brigade"

In der Chronik ist vermerkt, dass beide Brigaden ab 25.10.1914 die "Reserve" des XXVI. Reserve Korps gebildet hätten.

Diese Reserve kam spätestens ab 27.10. zum Einsatz, zumindest die 37. LI Brigade, deren Regimenter in der Mitte vom II.-239 (Mannheim) zusammengehalten wurden, als die Linie der beiden Regimenter "schwankte".

Meine Frage lautet daher, ob das LIR 73 dort erwähnt werden. In der englishen Literatur bin ich am Rande fündig geworden, die die Brigade erkannt haben, aber dann "umformiert wurden" bzw. den Abschnitt an das nachrückende IX. franz. Korps abgaben und sich dafür auf die Schlacht um Gheluvelt konzentrierten. Deren Dokumentationen sind konsistent, schlüssig bis hin zum fast täglichen Wetter- und Mondbericht, denn bei Wolkendecke schwieg die deutsche Artillerie bei Vollmond zumeist.

Ich bin jedenfalls momentan schwerpunktmäßig an der Brigade und Regiment interessiert und taste mich dann von da vor, will mich aber auch nicht "verzetteln".

Deine anderen Angaben stimmen so weit, wobei das Flandernkorps die RIR 239 als stehendes Regiment führt oder einfach RIR wegließ, aber bei den LIR`s drauf achtete, die vollständig zu benennen wie "LIR 73"

DANKE

WOLF

Antwort von Ruhrpottpreuße am 01.04.2015 - 17:41
Hallo Wolf!
Ich habe mal im Weltkriegswerk Band 5 nachgeschaut.
Zur 37.Ldw.Brig mitte Oktober habe ich folgendes gefunden:
9.Oktober: verstärkte 4.Ers.Div. (1.bayer.Ldw.Brig., 37.Ldw.Brig., 9.Ers.Brig.) im Raume Moerbeke-Lokeren.
12,Oktober: Die Brigade und die 1.bayer.Ldw.Brig. begleiteten den Vormarsch des III.Res.Korps. mit späteren Besetzung von Selzaete.
23.Oktober: Verlegung mit der Marine-Division in die gegend um Ichtegem-Thourhout.
Ab 24.Oktober: bei Staden als Reserve des XXII.Res.Korps.
25.Oktober: Der Feidn war auf dem rechten Flügel östlich Zonebeke, der 53.Res.Div. (XXVII.Res.Korps)eingebrochen. Gen.d.Inf. v. Carlowitz bat um Verstärkung und um Mitwirkung der 52.Res.Div.
Herzog Albrecht befahl, die 53.Res.Div. greift an und hat den Oberbefehl. Zugeteilt wurden die 2.Res.Ers.Brig. und Teile der 37.Ldw.Brig. (drei Battailone, drei leichte und drei schwere Batterien).
Gruß, Andreas

Antwort von TYPXXI am 01.04.2015 - 22:56
Hey Andreas,

das klingt echt spannend, wirft aber ein paar neue Fragen auf.

1.
Das Flandernkorps - die XXVI. - führt das 73. LIR und das 74. LIR in seinen Reihen auf und zwar als zeitweise zugeordnete Reserve des AOK 4, die an der linken Flanke des XXVI. RK zum Einsatz kam.

2.
alles bis zum 25.10.1914 trifft zumindest auf die 7. K. des 73. LIR KEINESFALLS zu.
Sie kamen erst am 10.10. aus Hannover via BRÜSSEL nach BRÜGGE als dafür vorgesehene Besatzungstruppe und als Reserveeinheit demzufolge auch ohne MG und Feldkanonen Kompanie, damit wenig für den Kampf geeignet und mit fast 40 Jahren alte Männer.

Mein Uropa hat immer sofort den Absender bei Versetzungen geändert, so dass er davon zumindest nicht wusste, da er es zu letzt am 16.10. in Belgien auf die 7. Comp. 73. LIR in der gem. 37. LEI Brigade geändert hatte; zuvor war er 3. Kompanie.

Von 4. Ersatz Division stand da nie etwas, eben so wenig von XXII. Reserve Korps (auch nicht XXVII. RK).

3.
Ich weiß aus einer Postkarte aus Brügge, dass es am Sonntag, den 25.10.1914, laut ihm "weiter nach vorne ginge", wobei das Folgende, von Dir erwähnte dann passen dürfte zu dem des Bericht des XXVI. RK
Das findest Du so in etwas für den 25.10. auch in der Chronik beschrieben und ebenso führen die Engländer den Einsatz der 2. Res. Ers. Brigade auf.

4.
In der Chronik heißt es mehrfach, dass die 53. nicht vor Broodseinde angegriffen hätten und deren rechter Flügel über 1 km zurück lag, so dass deshalb das XXVI. RK eine zu große Frontlänge bekommen hätte und Flankenangriffe fürchtete.


Aber all das ist wahrscheinlich eine Frage der Außendarstellung und Gesichtswahrung, wer nun wem unterstellt war und angriff.

Spannend finde ich aber die Mischung, dass preußische und württembergische Einheiten zusammen kämpften.

Wo kann man noch schauen bzgl. der 37. gem. Ldw. Brigade bzw. 73. LIR ?
Gibt es eine Chronik des 74. LIR, das parallel vorging nur durch das II. Btl. 239 getrennt?
Wo finde ich französische Karten und Chroniken zu deren 17. Division des IX. Armeekorps, die dort wohl gestanden haben dürfte, da sie in der franz. Wikipedia Broodseinde

Wolf


 

Antwort von Ruhrpottpreuße am 02.04.2015 - 04:43
Hallo Wolf!
Vom LIR73 gibt es, soviel ich weiß, keine Regimentsgeschichte. Die vom LIR74 kannst Du hier auf CD bestellen:
Hier klicken
Das Problem ist die Landwehr. Stiefmütterlich behandelt findet man nicht immer lückenlose Details zu der Formationsgeschichte. Das Weltkriegswerk schreibt auch nicht viel mehr zu der Brigade.
Im WKW ist noch eine Kriegsgliederung vom 10.Oktober 1914 abends.
Da steht, daß das III.Res.Korps. mit der 4.Ers.Div. unmittelbar der OHL unterstellt war, und ab dem 14.Oktober der 4.Armee zugeteilt wurde.
Unter Truppenverschiebungen steht:
XXVI.Res.Korps. (51.u.52.RD) und XXVII.Res.Korps (53.u.54.RD) wurden ab dem 11.10. vom Üb.Pl. Ohrdruf und Sennelager, bzw. Dresden und Müsingen zur neugebildeten 4.Armee verlegt. Ausladung in Belgien vom 13.-18.10.
Bei der 4.Ers.Div. waren sie nur für kurze Zeit.
Vielleicht findest Du ja mehr in der Geschichte des LIR74.
Gruß, Andreas

Antwort von typxxi am 02.04.2015 - 11:16
MERCI Andreas

gerade auch für deinen LINK zur englischen Übersetzung eines Berichts des deutschen Offiziers Schwink über Ypern/Flandern 1914 hier Hier klicken

Spektakulärer Bericht, auch weil er mit anderen englischen Quellen übereinstimmt und sich gerade bei Gefangenenangaben in Deckung bringen lässt mit den Darstellungen der Gegenseite.
Jedenfalls mein erster Eindruck.

DANKE

WOLF

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