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Küstenverteidigung
Abgesandt von Christa Lippold am 08.02.2019 - 15:30:

Hallo, ich bin neu hier. Es tut mir leid, wenn ich gegen Umgangsformen verstoßen habe. Ich wollte mich kurz fassen. Mein Großvater war als Regimentskommandeur ab September 1918 bei der Küstenverteidigung. Was mag er auf Sylt besichtigt haben? Von Ausbildung aus war er Pionier-Offizier. Wie mag er vom Matrosenaufstand in Kiel erfahren haben? Wie ging die Kapitulation in diesem Frontabschnitt vor sich. Mein Großvater musste offenbar um sein Leben fürchten, in Hamburg konnte er Zivilkleider erhalten und dann nach Berlin zurückkehren.
Wenn jemand im Forum zu diesem Frontabschnitt Näheres weiß und mir antwortet, bin ich sehr dankbar. Christa Lippold

Antwort von nemo am 08.02.2019 - 16:39
Hallo Christa,
zur Küstenverteidigung wurden ab etwa Dezember 1916 neue Regimenter aufgestellt. Diese bestanden in der Mehrzahl aus Landsturm-Bataillonen die zuvor schon bestanden hatten. Auf Sylt waren auch solche Einheiten zum Küstenschutz gegen England stationiert. Dein Großvater könnte Kommandeur eines solchen Regimentes gewesen sein.
Möglich wäre Landsturm-Infanterie-Regiment 601 (Oberstleutnant z. D. Delévièleuse) oder Ldst.-inf.-Regiment 602 (Major Rückwart). Der Großvater könnte auch, da Pionier, in einem Armierungsbataillon auf Sylt gewesen sein.

Gruß
Nemo

Antwort von nemo am 08.02.2019 - 17:03
Nachtrag:
Von Kiel aus wurden Abordnungen in alle Landesteile entsandt. So kam auch eine davon nach Sylt. Die Matrosen waren bewaffnet und überredeten oder zwangen die örtlichen Militäreinheiten dazu die Waffen nieder zu legen. Wer sich weigerte wurde mit dem Tot bedroht. So könnte es auch dem Großvater ergangen sein, der dann von Sylt geflohen ist.
Nemo

Antwort von Christa Lippold am 08.02.2019 - 17:25
Vielen Dank, Nemo, das erklärt mir, dass mein Großvater "auf Sylt überrascht" wurde und dass er Angst hatte. Im Kieler Museum sah ich abgerissene Portepees und zerbrochene Degen. Auch die Falschmeldung seines Todes an die Großmutter ist erklärlich. Und die Flucht des 49jährigen Mannes.

Antwort von Christa Lippold am 08.02.2019 - 17:33
Jetzt erst habe ich die 1.mail gelesen, Nemo! Danke für die Regimentsangaben. Da könnte ich mal nachschauen. Mein Großvater hat diesen letzten Abschnitt seiner Verwendung nur wenig beschrieben. Er hat offenbar im Stellungskrieg in Frankreich einen Nervenzusammenbruch erlitten und wurde dann in ruhigere Gegenden geschickt. Ihm.hat das sicher sehr zugesetzt. Für seine Biografie ist es aber wichtig. Er war dann mit 50 Jahren Pensionär! Kein leichtes Los für einen gesunden fleißigen Mann.
Wenn dir noch etwas einfällt, danke!
Christa Lippold

Antwort von nemo am 08.02.2019 - 17:36
Hallo Christa,
vielleicht findest Du hier ein Foto Deines Großvaters:
Hier klicken

Antwort von T. Ehret am 08.02.2019 - 17:58
Hallo,
Als Pionier-Einheiten auf Sylt fand man ab September 1916 nur die 3. Landwehr-Pionier-Kompanie des X. AK, also kein Regiment.
Danke Demo für den Link!
Gruß,
T. Ehret

Antwort von Christa Lippold am 08.02.2019 - 18:54
Diese Bilder kenne ich schon. Sie stellen durchgängig die auf Sylt stationierten Soldaten dar, sogar relativ privat. Mein Großvater war in Hamburg stationiert und war nur zufällig am 9. November auf Sylt zur Inspektion - vielleicht auch vorher schon ein paar mal, so käme das Bild von der Motordraisine oder auch ein Foto vom Appell in Frage. Aber Herr Ehret schreibt ja sehr richtig, dass sich auf Sylt nur eine Landwehr-Pionier-Kompanie befand, kein Regiment. Das muss ich woanders suchen. Aber die Fotos zeigen, dass Verteidigung geplant war.
Danke noch einmal auch für diesen Link.

Antwort von Christa Lippold am 08.02.2019 - 19:08
Danke auch Ihnen, Herr Ehret, für die Bezeichnung der auf Sylt stationierten Einheit, die von Hamburg aus inspiziert wurde. Wenn man als Familienforscher und Nicht-Militär die Kurz-Biografie eines Offiziers im 1. Weltkrieg schreiben will, muss man sich das System vorzustellen versuchen. Für Paul Liebert war das ein harmloser Ausflug von Hamburg nach Sylt, sicher von Sorgen um den Zustand der Nation und des Heeres belastet - aber als solcher nicht schwierig. Und dann am 9. November die Matrosen!Er kannte Lebensgefahr aus Schlachten, aber nicht von den eigenen Leuten. Vielleicht kann noch jemand zu dieser Situation etwas beitragen!
Oder zur Zentrale in Hamburg - in welchem Stadtteil mag die gewesen sein? Mein Großvater kehrte von dort in Zivil zurück zu "unsrer General-Inspektion" in Berlin. Danke für die vorigen und weitere Beiträge!

Antwort von T. Ehret am 08.02.2019 - 20:33
Hallo,
Keine Ursache. Mit dem Namen kann man ein Schritt weiter gehen. P. Liebert war, gemäß Ehren-Rangliste (Auflistung sämtlicher Offiziere der kaiserlichen Armee), Stabs-Offizier der Pioniere beim Oberkommando der Küstenverteidigung. Er war im Krieg Hauptmann bei der 2. Ingenieur-Inspektion (Posen). Er wurde dann später, nach dem Krieg, Oberstleutnant ausser Dienst befördert. Die Beförderungsdatums kann man möglicherweise in den Dienst-Alterslisten finden (ich habe nicht gesehen).
Meiner Meinung nach war er nicht "Regiments-Kommandeur", sondern beim Stab der Insel-Kommandantur Sylt.
Ich habe so gut wie keine Dokumentation über den Marine-Aufstand im November 1918, aber im Heer bei der Infanterie waren, zu der Zeit, die Offiziere nicht besonders gut betrachtet.
Gruß,
T. Ehret

Antwort von Christa Lippold am 08.02.2019 - 21:10
Vielen Dank, Herr Ehret, ja, die Daten seiner Ernennungen habe ich aus seinen Erinnerungen und auch Urkunden zu den ersten Ernennungen. Auch über seine Verwendung nach Kriegsende hat er geschrieben - er war noch Leiter von Abwicklungsstellen in Glogau und Küstrin. Aber die Küstenverteidigung war wohl wegen ihres Endes ein Trauma. Deswegen wollte ich da mal nachforschen. Natürlich hat er überhaupt nicht geschildert, was er im einzelnen erlebt, getan und erlitten hat. Er schreibt, er war beim Armee-Oberkommando der Küstenverteidigung in Hamburg Regimentskommandeur. Keine Ahnung - vielleicht nur ein Rang ohne Regiment? Ich hoffte eigentlich auf Parallelerfahrungen anderer Großväter heutiger Forscher! Aber ist wohl schwer! Danke jedenfalls Ihnen und nemo für Ihre Antworten.

Antwort von T. Ehret am 09.02.2019 - 14:10
Hallo Fr. Lippold,
Im Anhang was ich in einer Pionier-Rangliste gefunden habe. Akten oder sogar Zeugnisse über die letzen Tagen des Krieges im November 1918 scheint schwierig zu finden, weil viel ist verloren gegangen. Beim Bundesarchiv (Militärarchiv Freiburg i. Br.) findet man Akten über die Küstenverteidigung, aber so gut wie nichts betreffend November 1918.
Gruß,
T. Ehret


 

Antwort von Christa Lippold am 09.02.2019 - 17:54
Danke, dass Sie da nachgeschaut haben, Herr Ehret! Von wann ist diese Liste? Ich will am Montag ins Museum für Hamburgische Geschichte gehen, dort läuft auch eine Ausstellung speziell über den Verlauf in Hamburg - da ist, soweit ich sehe, der Tag angegeben, an dem das Oberkommando aus Altona "geflohen" ist. Dann gibt es einen ganz neuen Bildband zu den Ereignissen in der Staatsbibliothek. Ich bin gespannt. Vielen Dank fürs Mitdenken! Christa Lippold

Antwort von T. Ehret am 10.02.2019 - 10:25
Hallo Fr. Lippold,
Die Liste stammt aus der Rangliste von 1913. Siehe Anhang. Viel Glück in Hamburg !
Gruß,
T. Ehret


 

Antwort von Christa Lippold am 15.02.2019 - 19:20
Guten Abend, Herr Ehret, am 11.2. bin ich wirklich sowohl im Museum für Hamburgische Geschichte als auch in der Staatsbibliothek gewesen. Die Ausstellung nahm natürlich wenig Rücksicht auf kaiserliche Offiziere, doch las ich die Verlautbarung aus Hamburg, dass diejenigen Offiziere, die sich nicht dem Soldatenrat unterstellen wollten, ab sofort ohne Dienstbezüge entlassen seien.
In der Staatsbibliothek fand ich die kleine Rangliste von 1908, wo mein Großvater als Hauptmann im Lothringischen Pionier Bataillon Nr. 20 verzeichnet ist - damals war er ein Jahr verheiratet, die Großeltern lebten in Metz. Außerdem nahm ich ein dickes Album "Ehrenbuch der deutschen Pioniere" von 1931 mit und ein Kompendium über Militär und Innenpolitik im 1. Weltkrieg. Die beiden Bücher habe ich natürlich noch nicht durchgearbeitet.
Ihnen und nemo noch einmal Dank für gute Anregungen! Christa Lippold


deutschen Pioniere" von 1931 mit.

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