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Forum : Andere Kriegsschauplätze (1914-18)


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1914 südöstlich von Lodz
Abgesandt von mom am 20.10.2014 - 12:52:

Hallo,

wo finde ich Informationen zu Kampfhandlungen im Dezember 1914 südöstlich von Lodz?

Unser Landsturmmann gehörte laut Verlustlisten dem 2. Landsturm-Infanterie-Bataillon I Breslau (VI. 5.), 3. Kompagnie an. Er ist am 30.12.1914 gefallen.

Die Original-Todesnachricht an die Witwe ist momentan nicht auffindbar, darin war als Todesort `in einem Wäldchen bei Dombrowo` angegeben. Ein an einen Wohnungsnachbarn gerichtetes Schreiben enthält nur das Todesdatum. Verfasst wurde es in Krolowa Wola (Poststempel Korps Posen) - das östlich von Tomaszow liegt.

Mit Hilfe von Absenderangaben auf Feldpostkarten und der Beschreibung der Schlacht bei Lodz bezüglich des Korps Posen konnten wir den Einsatz bis Anfang Dezember nachvollziehen: Glowno bei Posen, Ostrow, Szadek, im Feld bei Lodz (12.12.). Am 24.12. schrieb er noch einmal aus Tomaszow.

Dombrowo (oder Dabrowa = Eichenwald) gibt es mehrfach. Wir wüssten gern, wo Kämpfe stattfanden, an denen er beteiligt gewesen sein könnte und ob es dort irgendwo Kriegsgräber gab / gibt.

Gruß, mom


Antwort von fuchsi am 20.10.2014 - 17:44
Hallo Mom,
dienlich wäre ein Name..........

Grüße
fuchsi

Antwort von mom am 20.10.2014 - 18:13
Hallo fuchsi,

Franz Joseph Wieber, wohnhaft in Wiesbaden,
* 26.03.1873 in Schonungen, Unterfranken, nicht in der Pfalz, wie irrtümlich in den Verlustlisten steht:

Hier klicken

Gruß, mom

Antwort von fuchsi am 20.10.2014 - 19:04
Hallo Mom,
danke für den Namen - ohne den kann ich nämlich nicht suchen.
Da zu LStM Wieber eine Nachmeldung von 1916 vorliegt wird es bei der Ortssuche nicht einfach.
Die Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr 14 war die Zeit des Übergangs zum Stellungskrieg (Winterquartiere). Diese Periode war gekennzeichnet von örtlichen Versuchen der Stellungsverbesserung, die Truppen waren nicht mehr in der Lage größere Aktionen/Angriffe durchzuführen.
Der Name taucht bisher nicht auf einer polnischen Seite auf:
- Hier klicken

Zur Ort Dombrowen/Dabrowa gibt es hier eine Hinweis zu einem ehemaligen Kriegerfriedhof im Kreis Tomaszow Mazowiecki mot der Bezeichnung "Dabrowka" - ich denke das sollte er sein. Namen sind keine mehr vorhanden:
Hier klicken

Grüße
fuchsi

Antwort von RainerC am 20.10.2014 - 19:05
Hallo mom,

hier (über einen US-Proxy) findest Du Der große Krieg in Einzeldarstellungen - Heft 19 Die Schlacht bei Lodz (1918): Hier klicken
Rechts oben PDF anklicken zum Download des Buches.

Oder hier in "Der Weltkrieg 1914 bis 1918; Der Herbst-Feldzug 1914 ; 2. Der Abschluß der Operationen im Westen und Osten" ab Seite 98 (auch als pdf-Download oben rechts, aber sehr groß): Hier klicken

Viele Grüße,
Rainer

Antwort von mom am 21.10.2014 - 12:02
Hallo,

ganz herzlichen Dank für Eure Hilfe!

@fuchsi

Deine Einschätzung der Lage zwischen Weihnachten und Neujahr 1914 ist für uns eine wertvolle Information. Es ist klar, dass die Ortsbestimmung nicht ganz einfach ist. In diesem Zusammenhang frage ich mich auch, warum erst 2 Jahre später diese Nachmeldung kam. Die Mitteilung an den Nachbarn stammte vom 19.1.1915. Der Text der Mitteilung erschien uns etwas stereotyp: "Unsere Comp. lag in den vordersten Schützengräben und zur Aufklärung wurde Herr Wieber als Patrouille nach vorn geschickt u. kam leider nicht mehr zurück, sondern hat einen Kopfschuss erhalten und war sofort tot." Das hat man wahrscheinlich zur Beruhigung der Hinterbliebenen oft geschrieben, denken wir.

Der Kriegerfriedhof Dabrowka liegt, soweit ich sehen kann, sehr viel weiter nördlich. Natürlich kann es sein, dass dort auch Stellungen waren und dass Franz Wieber dort begraben ist. Der Gedanke ist schön. Aber Dombrowo war als Sterbeort angegeben. Ich habe auf einer Karte ein Dabrowa ganz in der Nähe zwischen Tomaszow und Krolowa Wola gefunden. Das würde auch passen. Dabei ist natürlich weiter unklar, wo er begraben ist. Wir werden das wohl nicht mehr ermitteln können, da er bisher auch nicht in polnischen Listen auftaucht.

@Rainer

Das Heft 19 über die Schlacht bei Lodz haben wir. Damit haben wir die Einsatzorte des Corps Posen nachvollziehen können. Nur leider endet die Darstellung am 6.12.1914. Es hieß, das Korps Posen folgte dem abziehenden Russen südlich an Lodz vorbei.

Ich werde mir aber das 2. Buch über den Herbst-Feldzug 1914 herunterladen und hoffe, darin noch mehr Informationen zu finden.

Gruß, mom



 

Antwort von fuchsi am 21.10.2014 - 19:28
Hallo Mom,
- es ist jetzt müßig über die Gründe zu spekulieren
- stereotyp hin und her - es ist das Einzigste. Patrouille wurde niemals allein gemacht. I.d.R. waren es mindestens drei Mann und mindestens ein Unteroffizier dabei. Das war das Mindeste. Wesentlich dabei - es hat Augenzeugen gegeben. Offen bleibt, ob er geborgen wurde oder nicht. Aber auch hin wie her - er hat ein Einzelgrab bekommen. Da das von Dir gefundene Dabrowa von der Lage her am Besten passt, von dort aber kein 1.WK Friedhof bekannt ist, ist das Grab wahrscheinlich verschollen. Aufklärung in diesem Falle könnte nur eine Skizze von der Kompanie aus den nachfolgenden Tagen geben. Ich kenne so eine von einem Pionierleutnant aber von der Rawka-Bzura wo er die Stellungen eingezeichnet hat und auch einen kleinen Friedhof Inder Kartenecke. So etwa wäre aber der absolute Glücksfall.
Aber ich darf Dir sagen - gut und sauber recherchiert. Da arbeitet man gerne mit.
Grüße aus Gostynin
fuchsi

Antwort von mom am 15.12.2014 - 18:33
Hallo,

mit viel Glück haben meine Recherchen zu Landsturmmann Wieber einen sehr befriedigenden Abschluss gefunden.

Die Geschichte des Infanterie Regiments 333, Aus Deutschlands großer Zeit, Band 56, nach den amtlichen Kriegstagebüchern und Kameradenberichten bearbeitet v. Leonhard Hetzer, 1933,
basiert anfangs zum großen Teil ausgerechnet auf dem sehr ausführlichen Kriegstagebuch des Majors Grützner, Kommandeur des Bataillons Breslau I, so dass wir die Ereignisse viel genauer als vorher nachvollziehen konnten.

Meine Frage, welche Kampfhandlungen südöstlich von Lodz Ende Dezember 1914 stattfanden, konnte beantwortet werden.

Für den Überblick aus `Der Herbst-Feldzug 1914 ; 2. Der Abschluss der Operationen im Westen und Osten, Reichsarchiv, Potsdam 1929 , S. 355`
"Auf dem Nordflügel der Armee Woyrsch und am Südflügel der deutschen 9. Armee waren die Kämpfe während der Weihnachtstage weitergegangen. Die Absicht, die beiden deutschen Kavalleriekorps Frommel und Richthofen auf dem südlichen Piliza-Ufer vorgehen zu lassen, in die Flanke des dort noch haltenden Gegners, kam nicht zur Durchführung, denn der hier eingesetzte Landsturm des Korps Posen vermochte der Kavallerie den Übergang nicht zu öffnen.
Inzwischen aber waren südlich Tomaschow die österreichisch-ungarischen Truppen des Generals D. Gallwitz so weit verstärkt worden, dass sie am 25. Dezember den Angriff wieder aufnehmen konnten. Es gelang ihnen, in wechselnden Kämpfen südöstlich
Tomaschow vorwärtszukommen. Das Korps Posen unter Generalleutnant v. Koch wirkte auf dem Nordflügel mit; dabei machte die Brigade Reißwitz im Zusammenwirken mit den Infanterie- und Artillerie-Teilen des Kavalleriekorps Richthofen am 24. und 27. Dezember in erfolgreicher Abwehr bei Inowlodz insgesamt etwa 2000 Gefangene. Wohl hatte man Raum genug zur Bewegung, aber Kraft und Zahl der eingesetzten Verbände reichten nicht aus, die Gunst der Lage auszunutzen."

Speziell zur Brigade Hoffmann, Bataillon Breslau I aus der Regimentsgeschichte, S. 42:
"Am anderen Tage schanzten die Bataillone Breslau I und II im Walde von Las Pilas. Am Abend bezog Breslau I Notquartiere in Dombrowa, während die Bagagen am Waldrande von Slugocice bewakierten. Breslau II besetzte die neue Stellung, die zwar sehr lebhaft, aber ohne Erfolg von den Russen mit Feldgeschützen abgestreut wurde. Am 29. Dez. schanzte Breslau I wieder bei Las Pilas; Breslau II und Brieg standen in Bereitschaft bei Dombrowa.

Der 30. Dez. war ein Unglückstag für das Regiment. Beim Ablösen wurde von Breslau I , 1. Kompanie, Landsturmmann Scheder aus Breslau durch Kopfschuss getötet, drei weitere wurden verwundet. Von der 2. Kompanie erhielt Landsturmmann Heibel als Gefechtsordonnanz einen Brustschuss. Die 3. Kompanie hatte vier Tote und drei Verwundete. Gefreiter Hermann Scholz (4. Breslau I) wurde gar von einem Kameraden, der auf einen Hirsch gefeuert hatte, beim Austreten schwer angeschossen.“

Das Wäldchen Las Pila bei Dabrowa befindet sich südöstlich von Tomaszow Mazowiecki.

Vielen Dank nochmal an alle für die Hinweise!
mom


 

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