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Forum : Andere Kriegsschauplätze (1914-18)


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Wer kann Japanisch?
Abgesandt von Georg am 26.08.2014 - 00:34:

Forts. von der Hier klicken angekündigten Kampagne.

Ein Jugendfreund meiner Großmutter gehörte zur Besatzung von Tsingtau. Er war aber kein aktiver Soldat (Seebataillon oder so), sondern wurde zur Landwehr oder als Ersatz eingezogen. An der Uniform erkennt man das u.a. an den fehlenden Litzen, die die richtigen Seesoldaten auf dem Kragen trugen.

In der Verlustliste Marine 20 ist seine Stellung als "Kataster-Zeichner" angegeben. Das deckt sich mit den Erzählungen meines Vater, wonach er irgendwie beim Vermessungsamt der Kolonialbehörde gearbeitet hätte.

Zu Weihnachten 1915 schickte er beiliegendes Foto aus der Gefangenschaft in Japan (Matsuyama). Auf dem Bild sind Matrosen, Seesoldaten, Marineoffiziere, Reservisten, alles wild durcheinander.

Wer sich mit den Protagonisten der Kampfhandlungen in Kiautschou auskennt, entdeckt vllt. ja auch ein bekanntes Gesicht unter den abgebildeten Offizieren. Ich erkenne keinen (außer den Freund meiner Oma, der ist mit einem Kreuz markiert unten rechts), aber wenn doch jemand militärgeschichtlich Bekanntes darunter sein sollte, würde ich mich über eine Info natürlich freuen.
Im Idealfall findet sich vllt. sogar ein Japanischsprecher und entschlüsselt die japanischen Stempel auf der Rückseite.

Aber auch wenn das nich klappt, ist das nicht so schlimm. Das Foto wollte ich nur einmal gezeigt haben, danke!


  

Antwort von Andreas am 27.08.2014 - 04:29
Hallo Georg!
Ich habe mal eine guten Freund mit Deiner Anfrage beauftragt. Er schrieb mir gestern folgendes:

Auf dem Photo ist in der Tat ein ziemlich buntgewürfelter Haufen zu sehen. U.a. sehe ich Angehörige des III. Seebataillons, Angehörige der Matrosenartillerie Kiautschou, Gouvernement Kiautschou und Matrosen/Sailors des Torpedobootes S 90 (vgl. Mützenbänder). Wenn ich es richtig gelesen habe, ist die Karte von Johann Jakoby unterzeichnet.

Jakoby, Johann

Katasterzeichner/Sekretär beim Landamt des Gouvernements; wohnhaft: Tsingtau, Prinz-Heinrich-Straße; Frau und 3 Kinder

August 1914 Gefreiter des Landsturms

November 1914 interniert im Lager Matsuyama (Gef.-Nr. 2946, Heimatort: Neumagen, Kreis Bernkastel, Rheinland), 09.04.1917 im Lager Bando;

Dezember 1919 entlassen, anschließende Heimreise

Das Lager Matsuyama wurde am 11. November 1914 errichtet und bestand aus drei Teillagern (Kokaidô, Yamagoe) und das Tempelgebäude Dairin-ji, wo meiner Meinung nach die Aufnahme entstanden ist. Das Lager unterstand vom 11. November 1914 bis zum 10. April 1916 dem Oberstleutnant Ishii, anschließend (vom 10. April 1916 bis zum 21. April 1917) dem Major Natomi und wurde Ende März/Anfang April 1917 offiziell geschlossen. Die Gefangenen wurden in das Lager Bandô überstellt.



Die Verteilung der Gefangenen auf die Unterkünfte war folgende: Im Kokaido 177, im Dairin-ji 81 und in Yamagoe Tempellager 157 Mann, insgesamt 415 Personen.



Dienstältester Offizier bzw. deutscher Lagerältester war Major Eduard Kleemann. Daneben noch folgende Offiziere, wie z.B. Hauptmann und Kompanieführer Conrad Buttersack, die Hauptleute Walter Stecher und Werner Maurer, die Oberleutnants Paul Meyer, Robert Martin, Oberleutnant der Reserve Dr. Bruno Meyermann, die Leutnants Wilhelm Müller und Bernhard Mohr, die Leutnants der Reserve Friedrich Solger (Prof. für Geologie in Peking), Arthur Göpfert und Erich Kleinschmidt, Marine-Zahlmeister Johannes Weise und Julius Jaspers (Konsul in R.). Sicherlich ist der eine oder andere dieser Herren auf dem Photo vertreten. Zuordnen kann ich ad hoc jetzt niemanden.

Auf der Rückseite der Postkarte befindet sich ein roter Stempel, der ein etwas undeutlicher Teil eines sog. „Han“ (Namensstempel), vermutlich des Zensurbeamten MOTOMIYA, ist. Der ovale blaue Stempel ist ein Zensurstempel (d.h. die Postkarte wurde ordnungsgemäß „zensiert“ bzw. „überprüft“).



Die Karte wurde am 6. Tag des 12. Monates des Jahres Taishô 4 (1915) gestempelt (runder Stempel oben rechts).

Mir liegt eine grobe Auflistung der Internierten in Matsuyama vor

2766 Georg Abelein
2767 Ernst Arps
2768 Wilhelm Arps
2769 Gustav Alsleben
2770 Johann Auer
2771 Wilhelm Andreas
2772 August Albrecht
2773 Paul Ammeter
2774 Johann Andrzejewski
2775 Max Angerstein
2776 August Alester
2777 Conrad Buttersack
2778 Franz Brinker
2779 Albert Bergau
2780 Heinrich Brück
2781 Richard Bronnert
2782 Albert Bieber
2783 Hermann Bergmann
2784 Peter Boncour
2785 Johann Bussmann
2786 Leo Beckers
2787 Albert Burzig
2788 Wilhelm Busse
2789 Kurt Bartsch
2790 Adolf Barghoorn
2791 Richard Boeving
2792 Heinrich Baist
2793 Karl Bähr
2794 Dr. Hermann Bohner
2795 Wilhelm Blomberg
2796 Henry Both
2797 Paul Beushausen
2798 Wilhelm Borcherding
2799 Johann Bomsdorf
2800 Hermann Blanke
2801 Karl August Bredebusch
2802 Ernst Baerwald
< /span>2803 Paul Bartos
2804 Friedrich Blaschke
2805 Otto Brundig

2806 Fritz Brinkhaus
2807 Hermann Buettner
2808 Ludwig Büch
2809 Wilhelm Bruckmann
2810 Franz Breitmeier
2811 Heinrich Blume
2812 Walter Blunck
2813 Karl Bunge
2814 Waldemar Braeuninger
2815 Friedrich Bohn
2816 Albert Becher
2817 Friedrich Brandt
2818 Peter Boehmert
2819 Kurt Clauß
2820 Albert Cortum
2821 Hermann von Costenoble
2822 Ernst Carstens
2823 August Diebold
2824 Joseph Denner
2825 Hans Wilhelm Dahm
2826 Kurt Daniels
2827 Walter Dunkel
2828 Eggert Dose
2829 Arthur Dreyfuss
2830 Friedrich Danielsen
28 31 Adolf Drüge
2832 Ludwig Dittmann
2833 Adolf Deutschmann
2834 Alexander Eggert
2835 Hans Eggebrecht
2836 Alois Ederer
2837 Bernhard Erlebach
2838 Emil Engel
2839 Hans E. P. Edler
2840 Eusebius Gornik
2841 Otto Euchler
2842 Reinhold Eckhardt
2843 Hermann Ewald
2844 Hans Finckh
2845 Kurt Fehr

2846 Nikolaus Faass
2847 Rudolf Fabianek
2848 Karl Fabel
2849 Wilhelm Freese
2850 Gustav Farr
2851 Ernst Findorff
2852 Franz Frisch
2853 Karl Feuerbach
2854 Peter Fock
2855 Gustav Frank
2856 Karl Freisewinkel
2857 Max Fiedler
2858 Andreas Fischer
2859 Albert Fenzel
2860 Adolf Fischinger
2861 August Frevert
2862 Karl Fischer
2863 Christian Fröhlich
2864 Friedrich Fiederling
2865 Kar l Froehlich
2866 Johann Freyenhagen
2867 Albert Faertsch
2868 Friedrich Franz
2869 Oswald Fehr
2870 Arthur Gnuschke
2871 Dr. Richard Goldschmidt
2872 Alfred Glatzel
2873 Wilhelm Gosewisch
2874 Max Gareis
2875 Friedrich Gradinger
2876 Heinrich Goette
2877 Heinrich Gröninger
2878 Albert Golz
2879 Carl Geschke
2880 Arthur Goepfert
2881 Johann Gregorczyk
2882 Richard Gottschalt
2883 Wilhelm Gottschalk
2884 Georg Galuski
2885 Albert Grocholl

2886 Friedrich Gottschalk
2 887 Ernst Gerbig
2888 Max Grill
2889 Otto Gustmann
2890 August Groneberg
2891 Heinrich George
2892 Paul Hascher
2893 Franz Hecklau
2894 Karl Hoffmeyer
2895 Albin Hirsch
2896 Heinrich Hinnenkamp
2897 Ernst Heise
2898 Heinrich Herms
2899 Ernst Heizmann
2900 Hermann Hake
2901 Reinhold Hildebrandt
2902 Berthold Hauger
2903 Walter von Holstein
2904 Carl Huenecke
< /span>2905 Horst Hierling
2906 Walter Haink
2907 Robert Heckscher
2908 Wilhelm Hagemeyer
2909 Konrad Hennigsen
2910 Curt Hoehne
2911 Friedrich Hansen
2912 Johannes Hasche
2913 Karl Hitzemann
2914 Karl Hirsch
2915 Paul Heimann
2916 Friedrich Habersang
2917 Alfred Hummel
2918 Wilhelm Hagemann
2919 Robert Härter
2920 Emil Hornmann
2921 Oskar Hattorff
2922 Richard Hoenemann
2923 Hermann Hentschel
2924 Karl Heidemann
2925 Georg Hebting

2926 Wilhelm Henze
2927 Christian Hoyer
2928 Hugo Homann
2929 Philipp Hachenberg
2930 Heinrich Hoermann
2931 August Helmsen
2932 Carl Ily
2933 O swald Jeschke
2934 Johannes Janssen
2935 Emil Janssen
2936 Paul Jähne
2937 Julius Jaspersen
2938 Walter Jebsen
2939 Wilhelm Jaeger
2940 Victor John
2941 Carl Jasse
2942 Heinz Jakobi
2943 Jakob Johannsen
2944 Adam Junker
2945 Hans A. Jensen
2946 Johann Jakoby
2947 Wilhelm Jeg
2948 Ferdinand Jakob
2949 Eduard Kleemann2950 Eduard Kraschinski
2951 Jakob Krauss
2952 Willy Küntzelmann
2953 Joseph Kremer
2954 Leopold Kugler
2955 Johann Kessler
2956 Paul Kehr
2957 Gerhard Kruse
2958 Erich Kleinschmidt
2959 Robert Kleemann
2960 Hermann Krueck
2961 Stefan Kerl
2962 Walter Knoke
2963 Georg Kahle
2964 Wilhelm Koll
2965 John Knaack

2966 Ernst Koepke
2967 Ernst Keyssner
2968 Lambert Koch
2969 Johann Friedrich Kneupelt
2970 Hermann Katzenstein
2971 Paul Klautke
2972 Willy Köberlein
2973 Willy Ketscher
2974 Karl Krieger
2975 Reinhold Koch
2976 Gustav Knobel
2977 Franz Klümpen
2978 Philipp Kutt
2979 Karl Krueschak
2980 Joseph Kern
2981 Dr. Ernst Knoll
2982 Johann Knab
2983 Paul Klingst
2984 Gustav Klimant
2985 Otto, Prof. Küntzel
2986 Friedrich Karius
2987 Willy Kappel
2988 Leonhardt Krewerth
2989 Hubert Lorbach
2990 Max Ludwig
2991 Friedrich Leidig
2992 Hans Luthmann
2993 Walter Lipkau
2994 Reinhold Lindenberg
2995 Arthur Lauenstein
2996 Heinrich van der Laan
2997 Heinrich Lambrecht
2998 Carl Leonhardt
2999 Curt Laetzsch
3000 Hans Lautenbach
3001 Eugen Lampe
3002 Robert Linke
3003 Rudolf Liessmann
3004 Karsten Hermann Suhr
3005 Georg List

3006 Eugen Lu thardt
3007 Alfons Letschert
3008 Bernhard Mohr
3009 Gustav Merta
3010 Ernst Misslin
3011 Franz Noecker
3012 Werner Maurer
3013 Eduard Meyer
3014 Robert Martin
3015 Wilhelm Mueller
3016 Max Müller
3017 Josef Meyer
3018 Gerhard Meyer
3019 Wilhelm Meinsen
3020 Otto Meyer
3021 Christoph Meyer
3022 Theodor Müllers
3023 Kurt Mladeck
3024 Richard Meier
3025 Kurt Meißner
3026 Peter Metzger
3027 Paul Metzner
< span style=`font-size:9.0pt;font-family:"Arial","sans-serif";color:black`>3028 Friedrich Martin
3029 Harry Moeller
3030 Oscar May
3031 Konrad Mau
3032 Ernst Moeller
3033 Walter Mucks
3034 Ernst Mallen
3035 Gustav Möller
3036 Paul Meyer
3037 Otto Meier
3038 Heinrich Mathes
3039 Anton Müller
3040 Eduard Menke
3041 Friedrich Möller
3042 Gustav Maass
3043 August Niemeier
3044 Friedrich Niermeier
3045 Fritz Neubert< /p>

3046 Friedrich Neumann
3047 Karl Noellner
3048 Carl Nitze
3049 Peter Neuneier
3050 Clemens Niemeyer
3051 Franz Nordmann
3052 Ernst Ohlen
3053 Nikolaus Otten
3054 Bruno Oelsner
3055 Hans Ostermann
3056 Walter Oestmann
3057 Rudolf Ottens
3058 Gustav Oldhaber
3059 Hugo Pfotenhauer
3060 Alfred Paul
3061 Johann Preissel
3062 Georg Pfennig
3063 Max Pless
3064 Hans Pietzcker
3065 Ewald Probst
3066 Ernst Faul
3067 Heinrich Quedenbaum
3068 Heinrich Rommelmann
3069 Christian Remarklus
3070 Karl Röser
3071 Otto Rasor
3072 Georg Erich Kurt Riedel
3073 Gerhard Riehle
3074 Carl Rossow
3075 Walter Rudolph
3076 Fritz Rode
3077 Heinrich Rensing
3078 Gustav Rudolf
3079 Carl Ribbe
3080 Konrad Rüschenpöhler
3081 Karl Röllgen
3082 Dr. Fritz Rumpf
3083 Friedrich Wilhelm Rasenack
3084 Friedrich Radzuweit
3085 Otto Radseck

3086 Alfred Katzorek
3087 Fritz Schimming
3088 Benedikt Schäfer
3089 Nikolaus Speth
3090 Frederick Siemssen
3091 Adolf Schulz
3092 Johann Schmitz
3093 Johann Sandrock
3094 Wilhelm Schiermeyer
3095 Karl Scharf
3096 William Siemssen
3097 Dr. Friedrich Solger
3098 Heinrich Steffens
3099 Hubert Schenkel
3100 Ernst Schloegel
3101 Werner Franz Susemihl
3102 Julius Seitz
3103 Gerhard Schultz
3104 Fritz Schulz
3105 Alwin Steil
3106 Ernst Sachs
3107 Heinrich Steinfeld
3108 Hermann Schäfer
3109 Bernhard Segelken
3110 Kurt Schäfer
3111 Willy Seidel
3112 Erich Simonis
3113 Hugo Schmieder
3114 Reinhold Schwörke
3115 Herbert Steppan
3116 Friedrich Schenk
3117 Moi Strauss
3118 Bernhard Steinhausen
3119 Paul Schmitz
3120 Rudolf Schubert
3121 August Skischally
3122 Heinrich Schrader
3123 Eduard Schoppe
3124 Sylvester Schmidt
3125 August Schroer

3126 Peter Schiefer
3127 Friedrich Steinemann
3128 Wilhelm Schug
3129 Heinrich Seiger
3130 Fritz Steinhoff
3131 Kurt W. Strieder
3132 Walter Stecher
3133 Friedrich Schaefauer
3134 Heinrich Saxen
3135 Peter Segebarth
3136 Max von Seggern
3137 Hermann Schlichtiger
3138 Ludwig Stahl
3139 Kurt Scheider
3140 Hermann Steudner
3141 Franz Trendelburg
3142 Johannes Timm
3143 Dr. Franz Tiefensee
3144 Constanz Tolle
3145 Max Teintz
3146 Karl Thron
3147 Hermann Trost
3148 Otto Troitzsch
3149 Conrad Ulbricht
3150 Emil Vinders
3151 Carl E. Vissering
3152 Friedrich Vossiek
3153 Karl Viol
3154 Otto Vahldiek
3155 Josef Wallner
3156 Anton Winkler
3157 Arthur Wittig
< /span>3158 Hermann Wichelhaus
3159 Otto Werner
3160 Hubert Worpenberg
3161 Paul Wolf
3162 Josef Wolff
3163 Willy Weber
3164 Max Wölk
3165 Heinrich Walter

3166 Jacob Wagner
3167 Wilhelm Weiss
3168 Adolf Wacker
3169 Hermann Wegener
3170 Albert Werner
3171 Georg Welz
3172 Ernst Worms
3173 Julius Weigelt
3174 Johannes Weise
3175 Carl Alexander Wunderlich













Antwort von Georg am 27.08.2014 - 12:03
Hallo Andreas!
Wow, das ist ja phantastisch. Mit so viel zusätzl. Informationen hatte ich überhaupt nicht gerechnet. Dir und bes. deinem Freund vielen, vielen Dank!

Ja, der Betreffende hieß Johannes Jakoby, in der Liste steht er mit Johann und unter die Bekannten aus dem Ort kannten ihn nur mit dem Spitznamen "Hof Hanni". Unten noch ein Vorkriegsporträt.

Meine Frage nach "Offizieren" war glaube ich auch etwas irreführend, denn es gibt auf dem Bild ja wenn ich richtig sehe kaum welche, fast alle sind Unteroffiziere und Mannschaften. Manche machen trotz ihres niedrigen militärischen Ranges einen irgendwie "offiziersartigen" Eindruck, ich glaube das liegt daran, dass es unter den Gefangenen viele Nichtmilitärs (Reservisten, Landstürmer) wie ja auch Hof Hanni gab, die im Zivilleben relativ "würdige" Posten bekleideten und ein entsprechendes Auftreten hatten, obwohl sie militärisch nur einen untergeordneten Rang besaßen. An wirklichen Offizieren sehe ich auf dem Bild glaube ich nur drei (der Marineoffz. vorn in der Mitte, 6. v.l. - der etwas abseits stehende, freundlich lächelnde Mann in der 4. Reihe von unten ganz rechts - und in der allerletzten Reihe oben der 4. v.l.), und auch bei denen bin ich nicht ganz sicher.

Das Ambiente wirkt wirklich sehr traditionell japanisch, wie man es aus Filmen kennt (die verzierten Säulen und der Sturzbalken des Vordachs, die Schiebetüren aus Papier im Hintergrund ...) und eine Tempelanlage klingt absolut einleuchtend.

Vielen Dank nochmal für die genauen Infos, die Daten der Verlegung, Freilassung, Anstellung usw. waren mir alle nur grob bekannt und keineswegs so detailliert wie dein lieber Freund es recherchieren konnte. Diese Infos über Hanni kommen mit in den Nachlass und sind eine echte Bereicherung, toll!

Viele Grüße, Georg


   

Antwort von Georg am 27.08.2014 - 12:59
Hallo,
hier noch einmal der kopfüber geschriebene Absender; das Wort in Klammern unten konnte ich bisher nie zuordnen, aber jetzt mit den neuen Angaben deines Freundes wird es klar: Es heißt Dairinchi, das bestätigt die Angabe deines Freundes, es habe sich um das Teillager um das Tempelgebäude Dairin-ji gehandelt. Das große "D" hatte ich immer falsch als B oder K interpretiert und nichts Entsprechendes gefunden. Danke!

Es fehlt jetzt nur noch das Schild rechts auf dem Bild (s. Detail), aber bitte kein Stress. Sobald ich das herausbekomme (ein Verwandter von mir kann auch Japanisch), schreibe ich die Antwort hier dazu.


  

Antwort von Jens am 27.08.2014 - 15:52
Hallo Georg,
es gibt ein recht gute Internet-Seite zum Thema Gefangenschaft in Tsingtau und Matsuyama: Hier klicken
Gruß Jens

Antwort von Georg am 28.08.2014 - 07:56
Hallo Jens, vielen Dank! Habe mir gleich noch gestern Abend eine ganze Menge dort durchgelesen, äußerst aufschlussreiches Material. Lustigerweise hat Schmidt in seiner Kurzbiographie zu Johann Jakoby auch schon ein Foto, das ganz offensichtlich bei derselben Gelegenheit entstand wie die hier oben gezeigte Aufnahme.

Sensationell fand ich dann noch eine weitere Entdeckung auf einer anderen Webseite, die sich (ebenfalls im Wesentlichen auf dem Nachlass eines Gefangenen beruhend) mit dem Nachfolgelager Bandō beschäftigt. Daraus geht hervor, dass Hof Hanni im Auftrag der Lagerleitung eine phantastische und wahrscheinlich einzigartige zeitgenöss. Karte des Lagers Bandō erstellt hat:

Karte des Kriegsgefangenenlagers Bando, Japan. Blatt 1 "das Lagergrundstück." Aufgemessen und kartiert im Sommer 1918 durch Joh. Jakoby
Erläuterungen Hier klicken
Genauer anschauen kann man sie sich Hier klicken

Er selbst schreibt in der Lagerzeitung vom 24. Mai 1919 dazu:
"Habe die im vorigen Jahre für die Lagerbehörde ausgeführte Vermessungsarbeit im kleinen Maßstabe kartiert und in der Steindruckerei in 5 Farben vervielfältigen lassen (44 x 60 cm, 40 Sen). Listen zum Einzeichnen an der Kantine und der oberen Offiziersbaracke; Versendung nach auswärts, auch nach Deutschland, von der Lagerbehörde gestattet."
Hier klicken

Dass er als professioneller Vermesser und Kartograph hervorragend und wahrscheinlich als Einziger für so eine Arbeit in Frage kommt, leuchtet ein. Aber es ist vollkommen neu für mich, dass er so etwas Wichtiges gemacht hat.

In der Sammlung des Instituts für Japanstudien sind noch weitere Karten enthalten, darunter eine nach den Angaben der Beteiligten hergestellte und ich nehme an militärhistorisch auch bedeutsame Skizze der Verteidigungsstellungen von Tsingtau im Herbst 1914. Diese sind in eine vorhandene Karte mit roter Farbe eingezeichnet und ausgewiesen und beschriftet in einer Weise, die m.E. nahelegt, dass trotz der hier fehlenden Urheberangabe auch diese Arbeit von Johann Jakoby gemacht worden sein dürfte (wem sonst).
Hier klicken

Sehr ertragreiche Recherche, wirklich. Danke für die Hinweise!


 

Antwort von Jens am 29.08.2014 - 11:33
Hallo Georg,
danke für Deine ausführliche Antwort, klingt ja alles recht spannend!
Dann weiterhin viel Erfolg und Spass bei der Recherche!
Gruß Jens

p.s.: ums Thema Tsingtau/China/etc. wurden gerade auch im Feldgrau-Forum Hier klicken einige Bilder gezeigt und besprochen.

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