AGW 14-18 · Milex · Tavannes

Forum : Andere Kriegsschauplätze (1914-18)


 Gemeinsames Forum der Interessen- und Arbeitsgemeinschaft Weltkrieg 14-18 (AGW 14-18), der Homepage Lexikon des 1. Weltkriegs und der  Homepage Tavannes.
Hier gehts zur Forenübersicht und zur Suche.

Neue Frage - Mailbenachrichtigung - Hilfe - Regeln - Zur Hauptseite - Neues im Forum


Wo liegt Grandowo?
Abgesandt von Frank am 30.07.2013 - 18:51:

Hallo,

ein entfernter Verwandter von mir fiel am 30. August 1915 in Grandowo. Das müsste in Litauen liege, vermutlich irgendwo in der Nähe der Achse Kaunas/Wilna. Ich vermute, er fiel im Rahmen der Njemen-Schlacht. Er gehörte zur 8. Kompanie des 8. Rheinischen Infanterie-Regiments Nr. 70.

Hat jemand eine Idee, wo genau dieser Ort liegen könnte?

Antwort von Andreas am 30.07.2013 - 19:13
Hallo Frank!
Das IR70 gehörte in dieser Zeit zur 31.Inf.Div. Das Reichsarchiv schreibt in Band 8 zum 30. und 31.August:
"Als dann am 30.August vom Oberbefehlshaber Ost abermals Verstärkungen in Aussicht gestellt wurden, entschloß sich Generaloberst v.Eichhorn, die Operation in neue Bahnen zu leiten. Dazu waren größere Verschiebungen nötig. Vorher aber wurde bis zum Abend des 31.August östlich des Njemen noch wesentlich Raum nach Süden gewonnen und damit die Lücke zu den westlich des Flusses gegen Grodno angesetzten Kräften auf etwa 20 Kilometer beiderseits von Druskienski verringert. Gleichzeitig hatte sich die 31.Inf.Div. bei Lejpuny der großen Bahn Grodno-Wilna so weit genähert, daß der Zugverkehr unterbunden war. Im übrigen kamen Bewegungen und Kämpfe im Laufe dieses Tages allmählich zum Stillstand."
Anbei die Karte der Schlacht bei Wilna am 30./31.8.1915.
Du findest die 31.Inf.Div. innerhalb der 10.Armee bei Sawelzy. Dort in der Nähe muß sich auch Dein gesuchter Ort befinden.
Gruß, Andreas


 

Antwort von Frank am 30.07.2013 - 23:27
Hallo Andreas,

vielen Dank für die prompte Antwort! Ich habe die Gegend mal auf alten Karten abgesucht, aber nichts gefunden. Na ja, derlei Angaben waren damals ja auch gerne mal ungenau, falsch geschrieben o.ä.

Grüße

Frank

Antwort von Andreas am 31.07.2013 - 04:39
Ja, das stimmt. Vuiele Orte von damals existieren auch heute gar nicht mehr. Oft wwerden sie heute auch anders geschrieben oder wurden umbenannt. Habe auch mal verschiedene Karten durchgeschaut, aber nichts gefunden.
Gruß, Andreas

Antwort von LarsM am 01.08.2013 - 21:35
Hallo,

Grandowo = Grandow = Grendave im heutigen Litauen: Hier klicken

Geo-Koordinaten: 54.497985, 24.677389

Alte Karte: P30-S39, Rudziszki.

Siehe auch aelteren Thread: Hier klicken

Gruss,
Lars

Antwort von Frank am 02.08.2013 - 11:08
Hallo Lars,

wow, das sieht ja nach einem Volltreffer aus. Vielen Dank! Aber wie passt das zu dem, was Andreas herausgefunden hat?

Grüße

Frank

Antwort von LarsM am 02.08.2013 - 11:37
Hallo Frank,
das passt doch sehr gut:

Andreas schreibt: > "Das Reichsarchiv schreibt in Band 8 zum 30. und 31.August: ... Gleichzeitig hatte sich die 31.Inf.Div. bei Lejpuny der großen Bahn Grodno-Wilna so weit genähert ..." <

Lejpuny = Lieponys ist nur etwa 10km entfernt Hier klicken

Du gehst in diesem Fall doch vom 30.08. und nicht vom 18.09.1915 aus. Kann ja sein, dass die 31. ID dann bei Sawelzy war.

Die Karte bietet nur einen groben Ueberblick. Sie kann nicht das ganze Kampfgeschehen und die Truppenbewegungen im Detail darstellen. Dafuer muss man auch den Text beachten. Diesen hat Andreas dankenswerterweise gleich mitgeschickt.

Gruss,
Lars

Antwort von Frank am 02.08.2013 - 14:08
Hallo,

das heißt, dass die 31. I.D. am 30.8. gar nicht bei Sawelzy war? So hatte ich Andreas nämlich verstanden und mich schon gewundert, dass die Truppen westwärts ziehen. Ich finde die Karte auch schwer zu lesen., weil sich die Markierungen vom 30.8. und vom 18.9. nur schwer voneinander unterscheiden lassen.

Grüße

Frank

Antwort von LarsM am 02.08.2013 - 15:26
Hallo Frank,

um Dich einwenig ueber die Ereignisse zum genannten Datum und das IR 70 zu informieren, empfehle ich so auf die schnelle: Hier klicken sowie: Hier klicken sowie: Hier klicken

Die Karte ist eigentlich gut, nur muss man halt wissen, was die einzelnen Zeichen bedeuten und in welche Richtung es ging > ostwaerts.

Falls Du mehr wissen moechtest, empfehle ich, die Regimentsgeschichte per Fernleihe zu besorgen.

Gruss und schoenes Wochenende,
Lars

Antwort von Andreas am 03.08.2013 - 06:10
Hallo!
Kann mich erst jetzt zuschalten. Durch Arbeit versaut man sich den ganzen Tag...
I m Grunde ist die Karte ja leicht zu lesen. Die schraffierten Stellungen sind die vom 8.September (östl. Koszedary), und die ausgefüllten vom 18.September (bei Sawelzy).

Antwort von Frank am 03.08.2013 - 09:30
Hallo,

ja, aber es gibt ja auch eine durchgezogene Linie, die die Stellung vom 30. August darstellt und die der Markierung vom 18. September sehr ähnlich sieht. Weil Du davon sprachst, dass Grandowo bei Sawelzy zu finden sein müsste, war ich erst davon ausgegangen, dass die durchgezogene Linie weiter östlich die vom 30. August ist. Dabei scheint es sich bei der Linie vom 30. August auf der Karte aber nur um den kleinen Bogen links unten zu handeln. Jetzt passt jedenfalls alles zusammen.

Grüße

Frank

Antwort von Frank am 22.08.2013 - 13:36
Hallo miteinander,

so ich habe mir jetzt jetzt die Regimentsgeschichte per Fernleihe besorgt. Spätestens jetzt sind alle Zweifel beseitigt. Hier der Text zum 30.8.1915 incl. Karte für alle, die es vielleicht interessiert:

--
Gefechte südlich Grandowo
Karte 12

30. 8. Um Mitternacht war die erschöpfte Truppe im Walde angekommen. 2 Uhr
vormittags ging es wieder weiter. Der Gegner ist inzwischen in starker Stellung auf
den Höhen zwischen dem Samis-See und dem Wilkoksznia-See, mit Vorstellungen in
Samniki und südlich Grandowo festgestellt.

Das Regiment (ohne I.) mit III./137 durchschreitet den Wald und gräbt sich bei
Tagesgrauen auf der Höhenlinie westlich Samniki – westlich Grandowo ein. In vor-
derer Linie ist rechts III./137, links II./70 eingesetzt.

10 Uhr vormittags Befehl der 62. Infanterie-Brigade, der das Regiment unterstellt
ist: "Die Vorstellungen sind zu nehmen, der Sturm auf die Hauptstellung ist vorzu-
bereiten. III./137 nimmt Grandowo." Das Einschießen der Artillerie beginnt 2 Uhr
nachmittags. Nach kurzer Beschießung räumt der Gegner Samniki. Eine Kompagnie
137 besetzt den Ort. Tapferer hält der Gegner gegenüber II./70 stand.

Erst um 5 Uhr nachmittags gelingt es dem durch Teile des III./70 verstärkten
Bataillon, die hartnäckig verteidigte Höhe südlich Grandowo zu nehmen. Der Gegner
steckt Siemieniszki in Brand und zieht sich in die durch unser Artilleriefeuer schon
erschütterte Hauptstellung zurück. Gegen 8 Uhr abends räumt er auch diese. In zwei
Abteilungen folgt das Regiment. Die Nord-Abteilung (Major Düsterhof mit III./174,
II./70, 9. und 11./70) geht bis Antokol vor, sichert sich und bezieht Alarmquartier.

Die südliche Kolonne (Major Hethen mit III./137, 10. und 12./70) erreicht um Mitter-
nacht Gudakiemie. Im ersten Hause wird ein schlafender russischer Posten angetroffen,
darauf werden die Häuser durchsucht und ein Bataillonsführer, ein Kompagnieführer
und 29 Mann zu Gefangenen gemacht. Am Ortsausgang von Gudakiemie erhält die
Spitze lebhaftes Feuer. Der Bataillons-Kommandeur hatte vor der Front seines
schanzenden Bataillons geschlafen. Aber auch für die Abteilung Hethen war die Lage
heikel. Infolge starken Gewitterregens versagte der Fernsprecher schon vor Antritt des
Nachtmarsches. Jeder Ueberblick über die Lage fehlte, Verbindung mit Nachbartruppen
war nicht vorhanden. Hierzu kam, das Gudakiemie im Grunde lag. Ein Herauskommen
bei Tag war ausgeschlossen. In dieser Lage entschloß Major Hethen sich, die beherr-
schende Höhe nördlich des Dorfes mit Front nach Südosten zu besetzen, sich nach Osten
und Westen zu sichern und durch Streifen den Verbleib der Anschlußtruppen zu er-
mitteln.

Das I. Bataillon in Hanuszyki hatte um Mitternacht festgestellt, daß der Gegner
seine Stellung geräumt hatte. Es trat sofort der Vormarsch auf Grozniki an. 3 Uhr
vormittags erhält die Spitzenkompagnie, 2./70, Feuer aus Grozniki, es gelingt ihr aber
durch schnelles Zufassen den Ort zu nehmen. Dann aber leistet der Gegner tapferen
Widerstand. Das ganze Bataillon muß auf den Höhen nördlich des Ortes eingesetzt
werden und kommt nur langsam vorwärts. Erst gegen Mittag gelingt es die feind-
liche Stellung zu besetzen. Hierbei zeichnete sich der Gefreite Tambour Albert von der
3. Kompagnie aus. Beim Sturmangriff stürzte er sich, fortwährend das Signal "Rasch
vorwärts" schlagend, auf den Gegner, alle Hindernisse als erster überwindend.

Unter fortdauerndem Innfanterie-Geplänkel wird der Angriff weiter vorgetragen,
bis um 4 Uhr nachmittags das Ziel des Tages, die Höhe 150, 1 km. ostwärts Nowosady,
genommen ist.

Verluste: Verwundet: 2 Offiziere 99 Mann
Gefallen: 27 Mann
--------------------------------
2 Offiziere 126 Mann


 

Antwort von LarsM am 28.08.2013 - 19:46
Hallo Frank,
vielen Dank für die Info.
Anhand der Karte und des Textes kann man die Vorgänge sehr gut nachvollziehen.
Gruss,
Lars

Ich möchte eine Email, wenn jemand was zu diesem Thema hinzufügt.

Kommentar/Antwort:

Name:

E-Mail Adresse:


Ich möchte meinen Namen/Email auf diesem Computer speichern.

Code-Zahl übertragen:  



Je nach größe der Bilder und Internetanbindung kann das Hochladen einige Minuten in Anspruch nehmen.
Aus diesem Grund bitte nur einmal auf "Antwort absenden" klicken, danke.
Erlaubt sind lediglich JPG-Dateien.




Antwort eingegeben? - Dann hier klicken :      

Ich möchte eine Email, wenn jemand was zu diesem Thema hinzufügt.

E-Mail Adresse:


Hier klicken :