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Forum : Andere Kriegsschauplätze (1914-18)


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Mecklenburgisches Reserve Jäger Bataillon Nr. 14, Frage von Hans Dieckmann
Abgesandt von Volker Jeschkeit am 11.03.2012 - 22:24:

Guten Abend an alle, ich antworte auf die Mail von Herrn Hans Dieckmann am Besten hier,öffentlich und im Forum, weil ich der Meinung bin, das Herrn Dieckmann hier auch besser geholfen werden könnte.Seine Frage betrifft die Aufenthaltsorte der o. a. Einheit hier bei uns im Trentino bzw Trentin, die hier angeblich für einige Wochen stationiert war. Bei der Fragestellung kommen sofort weitere Fragen auf.
1)Sollte es sich bei der Einheit um einen Verband des DAK handeln, so sprechen wir hier geografisch gesehen um die gefürstete ehemalige Grafschaft Tirol, die damals u.a. aus der heutigen autonomen Provinz Trient (Welschtirol) und der autonomen Provinz Bozen bestand, die sich heute in Italien befinden. Das diese Einheit hier war im Trentino entzieht sich meiner Kenntnis, aber hauptsächlich dadurch bedingt, das es grundsätzlich wenige dokumentarisch gesicherte Unterlagen generell zum DAK im Trentino gibt.Das DAK war zweimal hier,zuerst 1915 und danach 1917 während der Vorbereitung zur 12. Isonzo-Offensive. Hierbei waren es lediglich kurzfristige Ablenkungsmanöver im Bereich des Frontabschnittes Lardaro (ein Subsektor des ehemaligen Rayon III).Betrachten wir daher das wichtigere Kriegsjahr 1915.Hier müssen wir zuerst einmal klar unterscheiden zwischen dem Frontabschnitt "Südtirol" also Subrayon V, alo dem Bereich der 179 KuK Infanteriebrigade, dem Subrayon IV, Bereich "Trentino", also Fleimstal, Lagorai(Bereich der KuK 55. Gebirgbrigade) bis zum Anschluss an die Panarotta Front mit Kesseljoch, Fravort und Panarotta bis in den Talgrund Valsugana (also Bereich der 52. Kuk Halbbrigade) und danach aufsteigend Richtung Vezzena ( also Grenzunterabschnitt Nr. 6 der 181. Infanteriebrigade)auf die Hochfläche von Lavarone und Folgaria (Grenzunterabschnitt Nr. 5 der Gruppe Vezzena und der 180 Infanteriebrigade). Bisher haben wir um Trentino gesicherte Unterlagen ( also Dokumente, Tagebücher, Fotos usw) lediglich zu folgenden Einheiten des DAK: Artillerieabteilung Nr. 203 in Pergine, Fussartilleriebatterie Nr. 101 (Nr. 104-Halbbatterie) auf der Panarotta (beschoss Val Sella, Porta Manazzo und Verena bzw. Verenetta), Fussartilleriebatterie Nr. 1o2 (Haubitzbatterie Hptm Rose)auf der Hochfläche, würtembergische Batterie Geba 6 auf der Valpiana (hat nie einen Schuss abgefeuert), Infanterieeinheiten des bayerischen Leibregimentes,MGA-Abteilungen und bayerische Pioniere auf der Hochfläche.Soweit die bisherige gesicherte Dokumentenlage, alles andere sind Mutmassungen in Büchern ohne genaue Quellenangaben der tatsächlich verfügbaren Dokumente und/oder sonstige akzeptierbare Nachweise, wie private Tagebücher, Briefe, datierte Fotos usw.Von daher ist aus heutiger Sicht und Sachlage die Anwesenheit des Mecklenburgischen Reserve Jäger Bataillons Nr. 14 "für einige Wochen im Trentino" nicht nachvollziehbar und beweisbar. Es stehen darüber zur Zeit keine aussagekräftigen Dokumente hiervor Ort zur Verfügung.Wenn überhaupt, dann könnten sich die entprechenden Unterlagen im Kriegsarchiv in München auffinden, das ist aber eine langwierige und schwierige Forschungsaufgabe,die nur direkt vor Ort ausgeführt werden könnte und die ich von hier aus dem Trentino nicht durchführen kann, da im Gegensatz zum Hauptstaatsarchiv in Stuttgart(hervorragend organisiert!!!! inkl. Aussenbestände in Sigmaringen), die Unterlagen in München zum größten Teil nicht digital erfasst sind, also reine Hand- und mühsame Sucharbeit angesagt ist.Jedenfalls war dies bis zum Jahre 2010 inkl. so der Fall. Da man nicht Sicheres weiss, kann man auch nicht ausschliessen zu der o. a. mecklenburgiscen Einheit.Ich rate daher Herrn Dieckmann zuerst alles Verfügbare zu der obigen Einheit in Deutschland auszugraben, die das Kriegsjahr 1915 betreffen.Danach bin ich gerne bereit, die evt. Orte im Trentino zu identifizieren, auch mit vor Ort Untersuchungen, um weitere Detailangaben evt. zu erforschen.
Mit herzlichen und freundlichen Grüssen aus Trient, Volker Jeschkeit

Antwort von Hans Dieckmann am 12.03.2012 - 01:54
Guten Abend Volker, meinen besten Dank für Deine Bemühungen. Ich besitze das Buch "Kampf um Tirol" aus dem Jahre 1918, geschrieben von Leutnant Alfred Contag, der im besagten Bataillon gedient hat. Das Batl. gehörte nach Aufzeichnungen vom 26.05.1915, zum DAK, Jäger-Brigade Nr. 2, Jäger-Regiment Nr. 2 (preußisch. Leider hat Contag die Namen der Orte umbenannt an denen das Btl. im Einsatz war. Er schreibt, dass sie mit dem Zug den ganzen Tag hinunter ins Etschtal fuhren. Sie wurden in der Nacht, an der kleinen Station "Marno" ausgeladen, ev. Marco. Am nächsten Tag marschierten sie ins Val Garda, ev. Vallarsa. Hier erhielten sie ihre gebirgsmäßige Ausrüstung und Ausbildung. Anscheinend war im Ort "Cardiano" die Alpini-Kompanie Nr. 9 stationiert. Nach einigen Wochen kam das Btl. ins Travenanzestal, welches Contag Tarnagora-Tal nannte, zum Einsatz. Vielleicht helfen meine dürftigen Angaben ein wenig weiter. Den Rat, die Sucharbeit im Kriegsarchiv in München zu beginnen, werde ich befolgen. Kennst Du zufällig Sig. Sergio Semino, aus Cogollo del Cengio? Er sammelt alles was mit dem Großherzoglichen mecklenburgischen Fürstenhaus zu tun hat. Ein guter Freund von ihm ist der Leiter des Pasubio-Museums. Denn falls das Btl. im Vallarsa war, so vielleicht auch am Pasubio. Leider spreche ich kein italienisch, sonst hätte ich ihn mal kontaktiert.
Beste Grüße Hans

Antwort von Volker Jeschkeit am 12.03.2012 - 08:12
Guten Morgen aus Trient,
Diese Angaben kombinieren nicht gut: Die Station Marco (als Ausladeort)lag mitten im italienischen Frontbereich.
Das Vallarsa war im o.a. Zeitraum bereits von den Italienern besetzt, wie auch Pasubio, Monte Spil ecc. Er kann dort also nicht gewesen sein.Einen Ort Cardiano gibt es nicht, vielleicht hilft die Spur von der Alpini Kompanie Nr.9 weiter.Den Herrn Sergio Semino kenne ich leider nicht. Rate dringend zur Spurensuche in Deutschland, Kriegsarchiv München.
Gruss, Volker

Antwort von Volker Jeschkeit am 12.03.2012 - 09:02
Der letzte Ausladeort der Etschtalbahn war Calliano, die Station Rovereto lag bereits unter italienischem Artilleriebeschuss. Von Calliano aus marschierten die Truppen durch das Rosbactal auf die Hochfläche in Richtung Folgaria.Dort standen die 7 Komp. Bayr. Leib Rgt, die GebMGA 210 des DAK und die halbe Fussbatterie Nr.102 und kurzfristig auch eine Pioniereinheit des DAK.Alpini Kompanien standen unterhalb von Serrada im Terragnolo Tale im Bereich Piazza. Dort verlief auch die Front. Ein anderer Ausladeort wäre denkbar: Und zwar die Station Mattarello im Süden von Trient, von dort marschierten die Truppen durch das Val Sorda auf die Hochfläche über den Fricca Pass nach Carbonare und Virti. In diesem Ort wurden die Truppen des DAK auch einquartiert. Im Val Sorda selbst gab es große Nachschublager und Versorgungszentren im Bereich Vigolo-Vattaro und Vattaro bis Menegoli.
Eine Ausrüstung der Mecklenburger in diesem Tale ist daher denkbar.An der Front selbst erscheinen sie aber nachweisbar nicht.Allerdings kann man zwischen Vigolo-Vattaro und Vattaro auch über die Centa Strasse direkt ins Val Sugana marschieren. Einige Privatquellen (private Tagebücher) geben sehr allgemein an , das deutsche Truppen zeitweise zur Eisenbahnsicherung eingesetzt wurden.Gruss, Volker

Antwort von Volker Jeschkeit am 12.03.2012 - 14:42
Diese Sache mit dem Alpenkorps hier im Trentino war eine zwiespältige Sache, einerseits durften sie sich nur verteidigen (Das Reich war nicht im Kriege mit Italien)wenn sie angegriffen wurden, anderereseits wollte man dem KUK Bundesgenossen hier helfen.Was tun? man setzte sie trotzdem an der Front ein.Und das ging dann auch schief, auf dem Pordoi-Pass nahemen die Italiener dann auch einige Deutsche bei den Kämpfen gefangen und das führte zu diplomatischen Verwicklungen, Gruss, Volker

 

Antwort von Hans Dieckmann am 12.03.2012 - 16:36
Servus Volker,
bin gerade dabei eine komplette Abschrift von Alfred Contag`s Buch zu erstellen. Solltest Du Interesse daran haben, so könnte ich Dir diese Abschrift mailen. Bräuchte dann aber Deine E-Mail-Adresse, da zu umfangreich für ein Forum. Es sind auch 3 Photos aus dem Trentino dabei, die alsbald hier einstellen werde. Weitere Photos in diesem Buch konnte ich identifizieren, da ich in jungen Jahren ein sehr aktiver Bergsteiger war, oftmals in den Dolomiten. Speziell 3 Zinnen, Cristallo, Tofanen. Habe mich aber nicht wirklich für die Kriegsgeschehnisse interessiert. Erst durch die Mecklenburger Jäger in den Dolomiten wurde mein Interesse geweckt. Konnte es anfangs kaum glauben, dass "Flachlandtiroler" im Hochgebirge gekämpft haben. Habe betreffs dem Kriegsarchiv bereits etwas gegoogelt. Mal sehen was daraus wird. Gruß Hans

Antwort von Volker Jeschkeit am 12.03.2012 - 18:58
Guten Abend, meine mailadresse hast du ja bereits, die ist bugzille91@bfree.it.
Bugzille91 ist der ehemalige Deckname der 91. Infanterietruppendivision unter dem Kommando des FML Können-Horak im Jahre 1915, verantwortlich für die Verteidigung des Rayon III. Das Kommando hiess Bugzille 91. Gruss, VJ
PS: Meine Internetverbindung verkraftet maximal 44Kbit/s hier in den Bergen,alles was größer als 1MB ist killt der Server u/o die Telefonleitung, teilweise noch Alu-Freidraht mit Porzellanisolatoren am alten Holzmast.

Antwort von Volker Jeschkeit am 12.03.2012 - 19:03
Fotos aus dem Trentino kann ich mit Sicherheit identifizieren, Cristallo, 3 Zinnen und Tofanen ist aber Bereich Südtirol, will heissen 179 Inf.Brigade, bzw. 90. Infanterietruppendivision.Danke im Voraus,
Volker

Antwort von Hans Dieckmann am 12.03.2012 - 20:11
Guten Abend Volker,
hier die Trentino-Bilder.
Gruß Hans


   

Antwort von Jens am 12.03.2012 - 20:34
Tach zusammen,
anbei ein paar Interessante Links: Hier klicken und Hier klicken und Hier klicken
Gruss Jens

Antwort von Volker Jeschkeit am 13.03.2012 - 08:10
Diese Bilder sind schwietig zu identifizieren, vor allem die beiden Detailfotos, da der Hintergrund fehlt. Das erste Bild zeigt meiner Meinung nach das Valsugana und rechts die Vigolanakette und im Hintergrund Aufstieg zur Vezzena mit Manderiolo im Hintergrund.Die beiden anderen Bilder zeigen Kalkfelsen, also scheidet der Panarotta-Fravort Frontbereich aus, da reiner Porphyrfelsen. Vermute mal Zone Lagorai.Das Buch von Contag liegt hier zum Teil auch in italienisch vor mit dem Titel (übersetzt) "Geheimer Krieg auf der Lagorai und in den Dolomiten" Herausgeber Itinera.Darin beschreiben mehrere Offiziere des DAK, u.a. auch Contag, eine sehr komische, einseitige und propangandistische Seite des Krieges: Bei jedem Angriff krepieren 100-te von Italienern, die Deutschen lediglich ein paar Verwundete und natürlich hindern nur sie die Österreicher daran, regelmäßig ab zu hauen und nur sie halten natürlich die Front. Eine sehr komische Sichtweise des Kriegs, die ich natürlich in den Bereich Mülltonne verschoben habe.Immerhin haben die Einheiten der Mecklenburger Reserve Jäger hier in der Flankenstellung Travenanzes der Dolomitenfront von den Italienern eins auf ihre Edelweissmütze bekommen, sie verloren ihren Stellungsbereich durch den massiven Angriff von den gut geschulten Alpini und bekamen den Bereich auch nie wieder zurück.Gruss aus Trient, Volker

Antwort von Hans Dieckmann am 13.03.2012 - 12:48
Hallo Volker, ich sehe es genauso, das Buch ist sehr komisch, einseitig und propagandistisch geschrieben und ist so gesehen, tatsächlich etwas für die Mülltonne. Bei mir als Leser des Buches kommt oftmals ein Fremdschämen auf. Bin dabei das Buch neutral zu "überschreiben", damit es aus heutiger Sicht lesbar wird. Bin in ein paar Tagen soweit, dass ich es mailen kann. Mit eins auf die Mütze bekommen zu haben, meinst Du sicherlich die Kampfhandlung auf der Fontana Negra mit Leutnant Grosse und seiner Mannschaft. Wenn Ja, die wurden komplett aufgerieben. Die paar Soldaten die überlebt haben, auch Grosse, kamen schwerstverwundet in Gefangenschaft. Grosse hat den Krieg scheinbar überlebt, er soll 1919 zurückgekommen sein. Zur Standortsuche: Contag schreibt, dass er aus einer Höhe von über 2000 m, den Dunst der Oberitalienischen-Tiefebene sehen konnte. Gruß Hans

 

Antwort von Volker Jeschkeit am 13.03.2012 - 13:09
Okay, Kommandeur des Baons war Major von Lattorf, wenn dir das hilft. Die erwähnte Kampfhandlung von dir ist die Richtige, die gefangenen Deutschen waren dann Anlass zu einem weiteren schweren diplomatischen Konflikt zwischen Reich und Italien.
Auf der Hochfläche waren die Kuk Kommandos, vor allem Generalmajor Verdross der 180. Inf. Brigade weitaus vorsichtiger, man wollte keinen "Casus bellicus" mit den Italienern hinsichtlich des deutschen Einsatzes künstlich erschaffen, auch weil das deutsche Reich schon ziemlich schwer diplomatisch angeschlagen war in dieser Hinsicht. Die meisten Bayern auf der Hochfläche wurden durch "friendly fire" entweder verwundet oder getötet. Ihre Uniformen waren zu ähnlich der Italienischen.
Vor allem die Standschützen, zum größten Teil Scharfschützen, knallten gegen die bayerischen Patrouillen bei der Rückkehr zu den eigenen Linien. Die Deutschen befahlen resigniert, wieder die Pickelhaube zu tragen, was den Italienern dann natürlich die Identifizierung ermöglichte."Drole de guerre" wirklich unglaublich, was da ablief.
Gruss, Volker

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